Ihr Lieben Mamas,
kennt ihr das Gefühl? Ihr steht am Ende eines langen Tages, der Kopf schwirrt von Terminen, Wäschebergen und tausend kleinen Entscheidungen, und dann kommt die Frage: „Mama, was gibt’s zu essen?“ Oder noch schlimmer: „Ich hab Hunger!“ – und das, obwohl das Mittagessen erst eine Stunde her ist. Die Essenszeiten mit unseren Kindern können eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle sein, von Freude am gemeinsamen Essen bis hin zu purer Verzweiflung, wenn mal wieder nichts schmeckt oder ständig genascht wird.
Oft schauen wir dabei neidisch über die Grenzen, zum Beispiel nach Frankreich. Dort scheinen Kinder wie von Zauberhand am Tisch zu sitzen, geduldig auf ihr Essen zu warten und sogar Brokkoli zu probieren. Ist das nur ein Mythos oder steckt da mehr dahinter? Und was können wir, die wir im deutschen Alltag zwischen Kita, Job und Haushalt jonglieren, daraus lernen, besonders wenn wir Jungs im Alter von 0-10 Jahren haben, die oft ein unersättliches Energielevel mitbringen?
Lasst uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, warum französische Kinder oft regelmäßiger essen und wie wir einige dieser Prinzipien liebevoll und praxisnah in unseren eigenen Familienalltag integrieren können – ohne uns dabei noch mehr Druck zu machen. Denn am Ende des Tages wollen wir alle nur das Beste für unsere Kinder und ein bisschen mehr Gelassenheit für uns selbst.
Die französische Essenskultur: Ein Blick auf "L'art de la table"
Die französische Essenskultur, oft als "L'art de la table" (die Kunst des Tisches) bezeichnet, ist tief in der Gesellschaft verwurzelt und prägt schon die Kleinsten. Es geht nicht nur ums Sattwerden, sondern um ein ganzheitliches Erlebnis, das Struktur, Genuss und Wertschätzung vereint.
Feste Zeiten, feste Mahlzeiten: Das Fundament
Ein Kernstück der französischen Essgewohnheiten sind feste Essenszeiten. Das bedeutet in der Regel:
- Frühstück (Petit Déjeuner): Eher klein und süßlich.
- Mittagessen (Déjeuner): Die Hauptmahlzeit des Tages, oft warm und mehrgängig.
- Nachmittagssnack (Goûter): Ein kleiner, oft süßer Snack nach der Schule.
- Abendessen (Dîner): Eine weitere warme Mahlzeit, die oft leichter ist als das Mittagessen.
Zwischen diesen Mahlzeiten gibt es in der Regel kein ständiges Snacking. Kinder lernen von klein auf, dass es bestimmte Zeiten für Essen gibt. Dies fördert nicht nur ein gesundes Hunger- und Sättigungsgefühl, sondern auch die Vorfreude auf die nächste Mahlzeit. Ein entscheidender Faktor ist hierbei auch das Schulessen: In Frankreich ist das Mittagessen in der Schule oft eine vollwertige, warme Mahlzeit mit mehreren Gängen, die von qualifiziertem Personal zubereitet wird und einen hohen pädagogischen Wert hat. Die Kinder lernen hier, verschiedene Geschmäcker zu entdecken und am Tisch zu sitzen.
Geschmackserziehung und Wertschätzung
In Frankreich wird viel Wert auf die Geschmackserziehung gelegt. Kinder werden früh an eine Vielfalt von Lebensmitteln herangeführt. Es geht darum, neue Dinge zu probieren, ohne Zwang. Die Mahlzeit ist ein soziales Ereignis, bei dem die Familie zusammenkommt, sich austauscht und das Essen bewusst genießt. Das gemeinsame Sitzen am Tisch, das Gespräch und die Wertschätzung für die zubereiteten Speisen sind feste Bestandteile des Alltags. Dies lehrt Kinder nicht nur Tischmanieren, sondern auch Geduld und die Fähigkeit, sich auf den Moment zu konzentrieren.




