Ihr Lieben Mamas,
Hand aufs Herz: Wer von uns redet wirklich gerne und offen über Geld mit dem Partner? Ich weiß, das Thema kann sich anfühlen wie ein Minenfeld – voller potenzieller Missverständnisse, alter Wunden und unausgesprochener Ängste. Gerade als Mama, vielleicht in Teilzeit, mit Elterngeld oder dem ganzen Mental Load des Familienalltags, kann das Thema Finanzen schnell überfordern. Aber glaub mir, es ist so wichtig, dass ihr als Team an einem Strang zieht, wenn es um eure gemeinsamen Finanzen geht. Und das Beste: Es muss kein Streitgespräch werden!
Ich verstehe dich total, wenn du denkst: "Ich versteh nix von Geld", "Das ist mir zu kompliziert" oder "Mein Partner macht das doch alles". Aber du musst kein Finanzprofi werden, um mitzureden und mitzuentscheiden. Es geht darum, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und euch gegenseitig zu stärken. Lass uns das Thema heute mal ganz entspannt bei einer Tasse Kaffee besprechen, so wie unter Freundinnen.
Warum ist es so schwer, über Geld zu sprechen?
Bevor wir ins Detail gehen, lass uns mal kurz schauen, warum das Thema Geld in Beziehungen oft so eine Hürde ist. Du bist damit nicht allein, das geht vielen Paaren so!
- Angst vor Konflikten: Niemand will streiten, besonders nicht nach einem langen Tag mit Kindern. Die Sorge, dass unterschiedliche Meinungen zu einem großen Knall führen, ist real.
- Gefühl der Überforderung: Zahlen, Budgets, Versicherungen – das klingt nach viel Arbeit und komplizierten Begriffen. Wenn du nach der Arbeit noch drei Kinder versorgen, den Haushalt managen und vielleicht noch ein Abendessen zaubern musst, ist der Kopf einfach voll.
- "Mein Partner macht das schon": Oft übernimmt ein Partner die Finanzen, was bequem sein kann. Aber es kann auch dazu führen, dass der andere den Überblick verliert und sich ausgeschlossen fühlt. Im Falle einer Trennung oder eines unvorhergesehenen Ereignisses kann das böse Überraschungen geben.
- Scham und Schuldgefühle: Vielleicht fühlst du dich schuldig, wenn du Geld für dich ausgibst, oder du schämst dich, wenn du weniger verdienst. Diese Gefühle sind menschlich, aber sie blockieren offene Gespräche.
- Unterschiedliche Werte: Der eine spart gerne, der andere gibt lieber aus. Das ist okay, aber es braucht eine gemeinsame Linie.
All das ist völlig normal. Aber ich verspreche dir: Mit ein paar einfachen Schritten könnt ihr diese Hürden überwinden und eure Finanzgespräche entspannter und produktiver gestalten.
Dein "Money Talk Blueprint": Schritt für Schritt zum Finanz-Team
Stell dir vor, ihr seid ein Finanz-Team. Und wie jedes gute Team braucht ihr einen Plan. Hier ist mein Vorschlag für euch:
1. Die Vorbereitung: Dein kleines Finanz-Date mit dir selbst
Bevor du mit deinem Partner sprichst, nimm dir etwas Zeit für dich. Das nimmt Druck raus und gibt dir Sicherheit.
- Deine Einnahmen checken:
- Was kommt bei dir rein? Dein Gehalt (auch wenn es Teilzeit ist), Elterngeld, Kindergeld, Unterhalt?
- Wichtiger Hinweis zum Elterngeld: Seit dem 1. April 2024 gibt es Änderungen für Geburten ab diesem Datum! Die Möglichkeit, Basiselterngeld gleichzeitig zu beziehen, ist auf maximal einen Monat innerhalb der ersten 12 Lebensmonate des Kindes beschränkt. Ausnahmen gibt es nur für Frühchen, Mehrlinge und Kinder mit Behinderung. Auch die Einkommensgrenze für den Anspruch auf Elterngeld wurde gesenkt: Für Geburten ab dem 1. April 2024 liegt sie bei 150.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen für Paare. Für Alleinerziehende liegt sie bei 150.000 Euro. Das ist super wichtig zu wissen!
- Beispiel Elterngeld: Wenn du vor der Geburt 2.000 € brutto verdient hast, liegt dein Netto vielleicht bei 1.400 €. Das Elterngeld beträgt in der Regel 65 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens vor der Geburt, also hier etwa 910 €. Es gibt aber einen Höchstbetrag von 1.800 € und einen Mindestbetrag von 300 €.
- Deine Ausgaben überblicken:
- Wo geht dein Geld hin? Denk an Fixkosten (Miete, Strom, Handy, Versicherungen, Kredite) und variable Kosten (Lebensmittel, Kleidung, Freizeit, Hobbys, Kinderbetreuung, Sprit).
- Du musst nicht jeden Cent aufschreiben, aber ein grober Überblick hilft. Schau dir einfach mal deine Kontoauszüge der letzten drei Monate an.
- Deine Ziele definieren:
- Was ist dir finanziell wichtig? Möchtest du für eine Reise sparen? Einen Notgroschen aufbauen? Für deine Altersvorsorge vorsorgen? Ein neues Fahrrad für die Kinder?
- Der Steuerklassen-Check (ganz wichtig für Mamas!):
- Gerade wenn ihr unterschiedliche Gehälter habt, sind die Steuerklassen III/V oder IV/IV entscheidend.
- Steuerklasse III/V: Oft hat der höher verdienende Partner Steuerklasse III (weniger Abzüge, mehr Netto) und der geringer verdienende Partner Steuerklasse V (mehr Abzüge, weniger Netto). Das führt zu einem hohen gemeinsamen Nettoeinkommen. Vorteil für Elterngeld: Wenn der Partner, der Elterngeld beziehen wird (meist die Mutter), rechtzeitig vor der Geburt in Steuerklasse III wechselt, kann das Elterngeld höher ausfallen, da es auf dem Nettoeinkommen basiert.
- Steuerklasse IV/IV: Beide Partner haben ähnliche Abzüge. Das ist oft fairer, wenn die Gehälter ähnlich sind.
- Wichtig: Sprecht darüber, welche Steuerklasse für euch am sinnvollsten ist, auch im Hinblick auf das Elterngeld. Ein Wechsel ist oft nur einmal im Jahr möglich, plant das also frühzeitig!
2. Das Gespräch: Euer entspanntes Finanz-Date zu zweit
Jetzt, wo du vorbereitet bist, ist es Zeit für das Gespräch.
- Den richtigen Zeitpunkt finden: Wählt einen Moment, in dem ihr beide entspannt seid und genug Zeit habt. Nicht abends um 22 Uhr, wenn die Kinder im Bett sind und ihr müde seid. Vielleicht am Wochenende bei einem Kaffee oder einem Spaziergang.
- Die richtige Einstellung: Geht mit Offenheit, Neugier und dem Gedanken an Teamwork ins Gespräch. Es geht nicht darum, Schuldige zu finden, sondern Lösungen. Sätze wie "Ich würde gerne mal mit dir über unsere Finanzen sprechen, damit wir beide einen guten Überblick haben und unsere Ziele erreichen können" sind ein guter Start.
- Struktur vorschlagen:
- Einnahmen zusammenfassen: "Was kommt bei uns im Monat insgesamt rein?" (Deine Einnahmen + seine Einnahmen + Kindergeld + Elterngeld).
- Ausgaben gemeinsam durchgehen: "Wo geht unser Geld hin?" Vergleicht eure Listen. Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie viel für bestimmte Posten draufgeht.
- Gemeinsame Ziele besprechen: "Was wollen wir uns als Familie leisten? Wofür wollen wir sparen?" (Urlaub, Notgroschen, Altersvorsorge, Eigenheim, Ausbildung der Kinder).
- Aufteilung der Verantwortung: "Wer kümmert sich um welche Aufgabe?" Vielleicht übernimmst du das Haushaltsbuch, er die Versicherungen. Oder ihr wechselt euch ab.
- Typische Fehler vermeiden:
- Keine Vorwürfe machen: Sätze wie "Du gibst immer so viel aus!" sind tabu. Bleibt bei "Ich"-Botschaften: "Ich mache mir Sorgen, dass wir am Monatsende zu wenig übrig haben."
- Keine Vergleiche ziehen: "Meine Freundin hat aber schon so viel gespart..." – jeder ist anders, jede Familie ist anders.
- Nicht zu viele Themen auf einmal: Wenn es zu viel wird, macht eine Pause und sprecht ein anderes Mal weiter.
- Das Gespräch nicht aufschieben: Es wird nicht einfacher, wenn ihr es immer wieder vor euch herschiebt.
3. Dranbleiben: Eure Finanz-Routine
Ein Gespräch ist ein guter Anfang, aber Finanzen sind ein Marathon, kein Sprint.
- Regelmäßige Check-ins: Plant feste Termine, vielleicht einmal im Monat oder alle drei Monate, um eure Finanzen zu besprechen. Das muss kein langes Meeting sein, 30 Minuten reichen oft schon.
- Budget-Tools nutzen:
- Ein einfaches Haushaltsbuch (digital oder analog) kann Wunder wirken. Es gibt viele kostenlose Apps oder Excel-Vorlagen.
- Beispiel Budget: Wenn ihr als Familie 4.000 € netto im Monat habt:
- 1.500 € für Miete/Kredit
- 500 € für Lebensmittel
- 300 € für Nebenkosten (Strom, Wasser, Internet, Handy)
- 200 € für Versicherungen
- 200 € für Mobilität (Sprit, ÖPNV)
- 300 € für Kinder (Kita, Kleidung, Hobbys)
- 300 € für Freizeit/Hobbys
- 200 € für Sparen (Notgroschen, Altersvorsorge)
- 500 € für "Puffer" oder größere Anschaffungen
- Das ist nur ein Beispiel, passt es an eure Bedürfnisse an!
- Notgroschen aufbauen: Versucht, drei bis sechs Monatsausgaben auf einem separaten Konto zu haben. Das gibt euch Sicherheit bei unerwarteten Ausgaben (Autoreparatur, defekte Waschmaschine).
- Altersvorsorge nicht vergessen: Auch als Mama, die vielleicht weniger arbeitet, ist es super wichtig, an die eigene Altersvorsorge zu denken. Sprecht darüber, wie ihr das gemeinsam angehen könnt. Vielleicht kann dein Partner mehr einzahlen, oder ihr findet eine Lösung, die für euch beide passt.
Deine Checkliste für den erfolgreichen Geld-Talk:
- Termin vereinbaren: Wählt einen entspannten Zeitpunkt.
- Deine Einnahmen & Ausgaben grob checken: Was kommt rein, was geht raus?
- Deine finanziellen Ziele überlegen: Was ist dir wichtig?
- Steuerklassen prüfen: Passt eure aktuelle Situation noch?
- Gespräch offen und vorwurfsfrei starten: "Ich würde gerne..."
- Einnahmen und Ausgaben gemeinsam auf den Tisch legen.
- Gemeinsame Finanzziele definieren.
- Verantwortlichkeiten aufteilen.
- Regelmäßige Finanz-Check-ins planen.
- Einen Notgroschen aufbauen.
- Altersvorsorge im Blick behalten.
Du siehst, es ist kein Hexenwerk. Es geht darum, Transparenz zu schaffen, ein Team zu sein und gemeinsam an euren Träumen zu arbeiten. Du musst kein Finanzgenie sein, um deine Finanzen in die Hand zu nehmen. Fang einfach an, Schritt für Schritt. Du schaffst das!
Alles Liebe, Eure Anja 💚




