Vorsorgen trotz Teilzeit und Elternzeit – geht das?
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    Vorsorgen trotz Teilzeit und Elternzeit – geht das?

    10 min Lesezeit
    Inhaltsverzeichnis
    14 Abschnitte

    Ihr Lieben Mamas,

    Hand aufs Herz: Kennst du das Gefühl, wenn der Kopf voller Sorgen ist, die To-Do-Liste länger wird und dann auch noch das Thema Finanzen wie ein riesiger, unbezwingbarer Berg vor dir auftaucht? Besonders, wenn du gerade in Teilzeit arbeitest oder in Elternzeit bist, kann das Thema Altersvorsorge schnell zur Belastung werden. Man fragt sich: "Schaffe ich das überhaupt? Reicht das Geld? Und wo fange ich überhaupt an?"

    Ich verstehe dich total. Zwischen Windeln wechseln, Brei kochen, Job und Haushalt ist es oft schwer, den Kopf für komplexe Finanzthemen freizubekommen. Und mal ehrlich, wer hat uns das in der Schule beigebracht? Niemand! Aber genau deshalb bin ich heute hier, um dir zu zeigen: Ja, es geht! Du kannst auch mit weniger Einkommen und trotz Elternzeit klug vorsorgen. Es geht nicht darum, Finanzexpertin zu werden, sondern darum, die wichtigsten Hebel zu kennen und kleine, machbare Schritte zu gehen. Denk dran: Jeder noch so kleine Schritt zählt und bringt dich deiner finanziellen Unabhängigkeit näher.

    Warum ist Vorsorge gerade für uns Mamas so wichtig?

    Lass uns mal Tacheles reden. Wir Frauen sind leider immer noch besonders betroffen, wenn es um die Altersvorsorge geht. Das hat einen Namen: Gender Pension Gap. Das ist die Lücke zwischen den Renten von Männern und Frauen. In Deutschland liegt diese Lücke bei erschreckenden 49 Prozent (Stand 2022, Statistisches Bundesamt). Das bedeutet, Frauen erhalten im Schnitt fast die Hälfte weniger Rente als Männer. Ein Hauptgrund dafür sind genau die Phasen, die wir durchleben: Elternzeit, Teilzeit, Pflege von Angehörigen. In diesen Zeiten verdienen wir weniger, zahlen weniger in die Rentenkasse ein und bauen so weniger Ansprüche auf.

    Aber es geht nicht nur um die Rente. Es geht um deine finanzielle Unabhängigkeit. Darum, dass du dir keine Sorgen machen musst, falls mal etwas Unvorhergesehenes passiert – sei es eine Trennung, ein Jobverlust oder einfach nur der Wunsch, dir selbst etwas leisten zu können. Es geht darum, dass du Entscheidungen treffen kannst, die gut für dich und deine Familie sind, ohne finanziellen Druck. Das ist ein unglaublich befreiendes Gefühl, glaub mir!

    Die Fakten auf den Tisch: Was passiert mit deinem Geld?

    Bevor wir zu den Lösungen kommen, lass uns kurz die Realität anschauen. Keine Sorge, ich erkläre es dir ganz einfach.

    Elterngeld: Was du wissen musst

    Das Elterngeld ist eine tolle Unterstützung, aber es ist eben auch "nur" ein Teil deines vorherigen Einkommens und zeitlich begrenzt.

    • Einkommensgrenzen 2024/2025: Das ist ein ganz wichtiger Punkt! Für Geburten ab dem 1. April 2024 sinkt die Einkommensgrenze für Paare, die Elterngeld beziehen können, von 300.000 Euro auf 200.000 Euro zu versteuerndes Einkommen (z.v.E.). Für Alleinerziehende liegt sie dann bei 150.000 Euro z.v.E.
    • Ab dem 1. April 2025 wird es noch enger: Die Grenze für Paare sinkt weiter auf 175.000 Euro z.v.E. und für Alleinerziehende bleibt sie bei 150.000 Euro z.v.E.
    • Was bedeutet das für deine Vorsorge? Während der Elternzeit zahlst du in der Regel keine oder nur sehr geringe Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Das führt zu einer Lücke bei deinen Rentenpunkten, die später deine Rentenhöhe bestimmen.

    Die Steuerklassen-Falle: III und V

    Viele Paare wählen die Steuerklassenkombination III/V, um monatlich mehr Netto vom Gehalt zu haben. Oft nimmt der Partner mit dem höheren Einkommen die Steuerklasse III (weniger Abzüge) und der Partner mit dem geringeren Einkommen (oft die Frau in Teilzeit oder nach der Elternzeit) die Steuerklasse V (viel Abzüge).

    • Das Problem: Obwohl ihr als Familie mehr Netto habt, führt die Steuerklasse V dazu, dass dein eigenes Nettoeinkommen extrem niedrig ist. Das hat nicht nur Auswirkungen auf dein Krankengeld oder Arbeitslosengeld, sondern auch auf deine Rentenpunkte. Denn diese werden auf Basis deines Bruttoeinkommens berechnet, und ein niedriges Netto (durch hohe Abzüge in V) spiegelt oft ein niedrigeres Brutto wider, oder es führt dazu, dass du das Gefühl hast, dir keine eigene Vorsorge leisten zu können.
    • Mein Tipp: Sprecht darüber! Überlegt, ob die Kombination IV/IV mit Faktor für euch nicht sinnvoller wäre. Oder zumindest sei dir der langfristigen Konsequenzen bewusst und gleicht es an anderer Stelle aus.

    Rentenpunkte: Dein Beitrag zur gesetzlichen Rente

    Jedes Jahr, in dem du arbeitest und in die Rentenkasse einzahlst, sammelst du Rentenpunkte. Ein Rentenpunkt entspricht in etwa dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten in einem Jahr. Wenn du weniger verdienst (z.B. in Teilzeit), sammelst du auch weniger Rentenpunkte. Das ist der Hauptgrund für die Rentenlücke.

    Typische Stolpersteine und wie du sie umgehst

    Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht alles ein bisschen nach "Oh je, noch mehr Baustellen!". Aber keine Sorge, die größten Hürden sind oft gar nicht die Zahlen selbst, sondern unsere Einstellung dazu.

    • "Mein Partner kümmert sich um alles": Das ist ein Klassiker und oft gut gemeint. Aber deine Finanzen sind DEINE Finanzen. Du musst nicht alles selbst managen, aber du solltest immer wissen, was Sache ist und mitentscheiden. Finanzielle Abhängigkeit ist ein Risiko.
    • Angst vor Zahlen und Komplexität: Viele denken, Finanzplanung sei nur etwas für BWL-Nerds. Quatsch! Es geht darum, grundlegende Prinzipien zu verstehen und einfache Tools zu nutzen. Du musst kein Finanzprofi werden.
    • Das Gefühl, "nicht genug zu haben": "Ich kann doch keine 50 Euro sparen, wenn am Ende des Monats kaum was übrig ist!" Doch, du kannst! Oft sind es die kleinen Beträge, die über die Zeit Großes bewirken. Und manchmal hilft es schon, zu sehen, wo das Geld überhaupt hinfließt.
    • Nicht über Geld sprechen: Geld ist in vielen Familien ein Tabuthema. Aber gerade als Paar ist es super wichtig, offen und ehrlich darüber zu reden – über Ängste, Wünsche und Ziele.

    Deine Superkräfte für die Vorsorge: Praktische Lösungen

    Jetzt kommt der spannende Teil! Hier sind konkrete Schritte, wie du deine Finanzen in den Griff bekommst und für die Zukunft vorsorgst.

    Schritt 1: Den Überblick bekommen – Dein Finanz-Check-up

    Bevor du loslegst, musst du wissen, wo du stehst.

    • Haushaltsbuch führen: Klingt spießig, ist aber Gold wert! Schreib für ein paar Wochen oder Monate auf, wofür du dein Geld ausgibst. Oder nutze eine App. Du wirst überrascht sein, wo kleine Beträge versickern. Das ist der erste Schritt, um Sparpotenziale zu entdecken.
    • Notgroschen aufbauen: Das ist deine absolute Priorität! Lege dir einen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben an. Ziel sind 3 bis 6 Monatsausgaben auf einem separaten Tagesgeldkonto. So musst du im Notfall nicht an deine Altersvorsorge ran oder Schulden machen.

    Schritt 2: Staatliche Unterstützung nutzen

    Der Staat hilft dir, wenn du vorsorgst. Nutze das!

    • Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Frag deinen Arbeitgeber, ob er eine bAV anbietet und wie hoch sein Zuschuss ist. Oft legt der Chef noch etwas obendrauf, das ist quasi geschenktes Geld! Das Geld wird direkt vom Bruttogehalt abgezogen, was Steuern und Sozialabgaben spart.
    • Riester-Rente: Auch wenn Riester in den letzten Jahren etwas in Verruf geraten ist, kann es für Familien mit Kindern immer noch attraktiv sein, besonders wegen der staatlichen Zulagen. Du bekommst eine Grundzulage und für jedes Kind, das nach 2008 geboren wurde, eine Kinderzulage. Informiere dich, ob es für dich passt.

    Schritt 3: Private Vorsorge – Einfach und effektiv

    Das ist der Bereich, in dem du wirklich viel selbst in die Hand nehmen kannst.

    • ETFs (Exchange Traded Funds): Stell dir einen ETF wie einen großen Korb vor, in dem ganz viele verschiedene Aktien von Unternehmen aus der ganzen Welt liegen. Statt einzelne Aktien zu kaufen und das Risiko zu haben, dass ein Unternehmen pleitegeht, kaufst du mit einem ETF quasi einen Anteil an diesem Korb. Das macht es super einfach, breit gestreut und kostengünstig. Du musst kein Finanzprofi sein, um in ETFs zu investieren.
    • ETF-Sparplan: Das ist die einfachste und beste Methode für den Einstieg! Du legst fest, dass jeden Monat automatisch ein bestimmter Betrag (z.B. 25, 50 oder 100 Euro) von deinem Konto abgebucht und in deinen ausgewählten ETF investiert wird. Das geht schon mit kleinen Beträgen und du musst dich um nichts weiter kümmern.
    • Beispielrechnung, die Mut macht: Stell dir vor, du schaffst es, 50 Euro im Monat in einen breit gestreuten ETF-Sparplan zu investieren. Bei einer angenommenen jährlichen Rendite von 6% (was historisch für globale Aktienmärkte realistisch ist), hättest du nach 20 Jahren nicht nur 12.000 Euro eingezahlt, sondern dein Vermögen wäre auf über 23.100 Euro angewachsen! Und das mit nur 50 Euro im Monat! Das ist die Macht des Zinseszinseffekts.

    Schritt 4: Gemeinsam stark – Finanzielle Partnerschaft

    Gerade in einer Partnerschaft ist es wichtig, die Vorsorge gemeinsam zu denken.

    • Depot-Splitting: Auch wenn ein Partner mehr verdient, kann es sinnvoll sein, dass jeder ein eigenes Depot hat und bespart. Das fördert die Eigenverantwortung und die finanzielle Unabhängigkeit beider.
    • Ausgleichszahlungen: Wenn ein Partner wegen Kinderbetreuung weniger arbeitet, kann der andere Partner einen Teil seines Einkommens in das Depot des anderen einzahlen, um die Rentenlücke auszugleichen. Das ist eine faire Geste und eine Investition in die gemeinsame Zukunft. Sprecht darüber und haltet es vielleicht sogar schriftlich fest.
    • Vollmachten und Testamente: Klingt unromantisch, ist aber super wichtig. Was passiert, wenn einem von euch etwas zustößt? Wer darf auf die Konten zugreifen? Wer erbt? Klärt das frühzeitig, um im Ernstfall für Klarheit zu sorgen.

    Schritt 5: Weiterbildung und Erbe

    • Investition in dich selbst: Manchmal ist die beste Vorsorge die Investition in deine eigene Bildung. Eine Weiterbildung, die zu einem höheren Gehalt führt, kann deine finanzielle Situation langfristig deutlich verbessern.
    • Erbschaft und Schenkung: Wenn du weißt, dass du vielleicht einmal etwas erben wirst, sprich mit deinen Eltern oder Verwandten darüber. Manchmal kann eine Schenkung zu Lebzeiten steuerlich sinnvoller sein und dir jetzt schon helfen, deine Vorsorge aufzubauen.

    Dein persönlicher Fahrplan: So fängst du an!

    Du musst nicht alles auf einmal machen. Fang klein an!

    1. Plane ein "Money Date": Setz dich einmal im Monat mit deinem Partner (oder auch allein, wenn du alleinerziehend bist) für eine Stunde hin. Schaut euch eure Finanzen an, besprecht Ziele, Ängste und Fortschritte. Mach es gemütlich, mit Kaffee oder Tee.
    2. Starte mit kleinen Schritten: Fang mit dem Haushaltsbuch an. Oder richte einen Sparplan mit nur 25 Euro im Monat ein. Wenn du siehst, dass es funktioniert, kannst du den Betrag immer noch erhöhen.
    3. Automatisiere deine Sparziele: Richte Daueraufträge oder Sparpläne ein, die direkt nach Gehaltseingang abbuchen. So siehst du das Geld gar nicht erst und es wird gespart, bevor du es ausgeben kannst.
    4. Informiere dich weiter: Lies Artikel, hör Podcasts, schau YouTube-Videos. Es gibt so viele tolle Ressourcen, die dir helfen, mehr zu verstehen.
    5. Such dir Hilfe, wenn du sie brauchst: Wenn du dich überfordert fühlst, scheue dich nicht, eine unabhängige Finanzberatung in Anspruch zu nehmen. Das ist eine Investition in deine Zukunft.

    Fazit

    Ihr Lieben Mamas, ich weiß, das war jetzt eine Menge Input. Aber ich hoffe, du spürst, dass es nicht darum geht, perfekt zu sein, sondern darum, anzufangen. Auch mit Teilzeit und Elternzeit kannst du deine finanzielle Zukunft aktiv gestalten. Jeder kleine Schritt, den du heute machst, ist ein riesiger Schritt für dein zukünftiges Ich. Du bist stark, du bist klug und du hast es verdient, finanziell unabhängig und sicher zu sein. Glaub an dich!

    Alles Liebe, Eure Anja 💚

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    Kommentare (1)

    Kommentare werden vor Veröffentlichung geprüft.

    Verenavor 5 Monaten

    Gender Pension Gap is so krass. Das is echt der Hammer und macht mir immer wieder sorgen. 😔 Man fühlt sich so überfordert mit dem Thema.

    Anja• Antwort

    Ja, leider wahr! Genau darum schreibe ich ja drüber. Lass uns das gemeinsam angehen! 💪

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    Anja Fischer
    Geschrieben von

    Anja Fischer

    Mama von drei Jungs (2019, 2021, 2023) und ganz nebenbei auch noch Gästehaus-Betreiberin und Content-Creatorin. Oder in kurz: Mama und Unternehmerin. Ich teile das, was für uns funktioniert - von Tipps & Tricks aus dem Mama-Alltag über Rezepte, Bastelideen, Orga- und Finanz-Tipps und vieles vieles mehr.

    Zuletzt aktualisiert: 23. September 2025

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