Warum „wir verdienen doch genug“ Familien in Geldprobleme bringt
    💰 Geld im Familienalltag

    Warum „wir verdienen doch genug“ Familien in Geldprobleme bringt

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    Inhaltsverzeichnis
    18 Abschnitte

    Ihr Lieben Mamas,

    Kennst du das Gefühl? Du sitzt da, schaust auf euer Konto oder denkst an euer monatliches Einkommen und denkst dir: "Eigentlich verdienen wir doch genug. Warum reicht es am Ende des Monats trotzdem oft nicht, oder warum fühlen wir uns finanziell so angespannt?" Dieses Gefühl ist weit verbreitet, besonders bei uns Mamas, die oft in Teilzeit arbeiten oder gerade in Elternzeit sind. Wir jonglieren mit so vielen Bällen – Kinder, Haushalt, Job – und dann kommt noch der Druck dazu, dass das Geld irgendwie reichen sollte.

    Aber oft ist dieses "Wir verdienen doch genug" eine echte Falle. Eine Falle, die uns glauben lässt, dass alles in Ordnung ist, während sich unbemerkt finanzielle Schwierigkeiten anschleichen. Und genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen, ganz offen, so wie unter Freundinnen beim Kaffee. Keine Sorge, wir reden hier nicht über kompliziertes Finanzfachchinesisch, sondern über ganz praktische Dinge, die jede von uns verstehen und umsetzen kann.

    Warum "wir verdienen doch genug" eine Falle sein kann

    Das Gefühl, genug zu verdienen, ist trügerisch, wenn die Realität der Ausgaben eine andere Sprache spricht. Es ist wie ein unsichtbarer Gegner, der langsam, aber stetig an deinem Geld nagt.

    Die unsichtbare Kraft der Inflation

    Einer der größten Übeltäter, der unser "genug" schrumpfen lässt, ist die Inflation. Du merkst es vielleicht beim Einkaufen: Der Wocheneinkauf wird teurer, die Kita-Gebühren steigen, der Spritpreis sowieso. Was vor ein paar Jahren noch 100 Euro gekostet hat, ist heute vielleicht schon 110 oder 120 Euro. Das ist kein Einzelfall, sondern die allgemeine Preissteigerung.

    Stell dir vor, du hast vor fünf Jahren 3.000 Euro im Monat verdient, und heute sind es immer noch 3.000 Euro. Dein Gehalt ist gleich geblieben, aber deine Kaufkraft hat abgenommen. Das bedeutet, du kannst dir für das gleiche Geld weniger leisten. Besonders Familien mit Kindern spüren das stark, denn die Ausgaben für Lebensmittel, Kleidung, Hobbys und Bildung steigen oft überdurchschnittlich. Wenn du also das Gefühl hast, dass das Geld nicht mehr so weit reicht wie früher, dann liegt das oft nicht an dir, sondern an dieser unsichtbaren Kraft.

    Wenn das Gefühl trügt: Die Realität der Ausgaben

    Oft haben wir kein klares Bild davon, wohin unser Geld eigentlich fließt. Wir wissen, dass Miete, Strom und Versicherungen abgebucht werden, aber die vielen kleinen Ausgaben – der Kaffee unterwegs, das neue Spielzeug, der schnelle Imbiss – summieren sich unbemerkt. Und dann sind da noch die unregelmäßigen Ausgaben: die kaputte Waschmaschine, die Klassenfahrt, der Zahnarztbesuch.

    Wenn du nach der Arbeit noch drei Kinder versorgen, den Haushalt schmeißen und tausend andere Dinge erledigen musst, ist es verständlich, dass du keine Lust hast, dich abends noch mit Zahlen herumzuschlagen. Aber genau dieses fehlende Bewusstsein für die tatsächlichen Ausgaben ist ein Hauptgrund, warum das "genug" plötzlich nicht mehr genug ist.

    Die großen Geldfallen für Familien in Deutschland

    Es gibt ein paar typische Stolpersteine, die uns Mamas in Deutschland besonders betreffen können. Lass uns die mal genauer ansehen.

    Elterngeld: Segen mit Tücken

    Das Elterngeld ist eine tolle Sache und eine wichtige Unterstützung in der Elternzeit. Es soll uns ermöglichen, uns voll und ganz auf unser Baby zu konzentrieren, ohne uns zu große finanzielle Sorgen machen zu müssen. Aber es ist eben auch "nur" ein Teil des vorherigen Einkommens und oft weniger, als man denkt.

    Das Basiselterngeld beträgt in der Regel 65% bis 67% des durchschnittlichen Nettoeinkommens vor der Geburt, maximal aber 1.800 Euro pro Monat. Und es gibt einen Mindestbetrag von 300 Euro.

    Ein Beispiel: Nehmen wir an, du hast vor der Geburt 2.500 Euro netto im Monat verdient. Dein Elterngeld würde dann etwa 65% davon betragen, also 1.625 Euro. Das ist eine ganze Menge weniger als deine 2.500 Euro. Und wenn du vorher schon knapp kalkuliert hast, kann diese Lücke riesig werden. Viele Familien vergessen, dass das Elterngeld nicht das volle Gehalt ersetzt und planen nicht ausreichend für diese Zeit.

    Steuerklassen: Das große Missverständnis

    Das Thema Steuerklassen ist für viele Paare ein Buch mit sieben Siegeln, dabei kann hier richtig viel Geld liegen bleiben oder eben auch verloren gehen. Besonders, wenn einer von euch in Teilzeit geht oder in Elternzeit ist, kann die falsche Steuerklassenwahl euch monatlich Hunderte von Euro kosten – oder euch eben hunderte Euro mehr bescheren!

    In Deutschland gibt es für verheiratete Paare hauptsächlich zwei Optionen:

    1. Steuerklasse IV/IV: Beide Partner haben die gleiche Steuerklasse. Das ist oft die Standardeinstellung und passt gut, wenn beide ungefähr gleich viel verdienen.
    2. Steuerklasse III/V: Ein Partner hat Steuerklasse III (weniger Abzüge, höheres Netto), der andere Steuerklasse V (mehr Abzüge, geringeres Netto). Diese Kombination ist oft sinnvoll, wenn ein Partner deutlich mehr verdient als der andere.

    Der Haken: Viele Paare bleiben in III/V, wenn die Frau in Elternzeit geht oder in Teilzeit arbeitet. Das Problem dabei: Das Elterngeld wird auf Basis des Nettoeinkommens vor der Geburt berechnet. Wenn du in Steuerklasse V bist, hast du vor der Geburt ein geringeres Netto gehabt, weil du mehr Steuern gezahlt hast. Das führt dann zu weniger Elterngeld!

    Ein Rechenbeispiel, das dir die Augen öffnen kann: Stellen wir uns vor, dein Partner verdient 4.000 Euro brutto und du 2.000 Euro brutto.

    • Szenario 1: Steuerklasse III/V (Partner III, du V)

      • Dein Partner hat ein hohes Netto (z.B. 2.800 Euro).
      • Du hast ein niedriges Netto (z.B. 1.200 Euro).
      • Gesamtes Haushalts-Netto: ca. 4.000 Euro.
      • Wenn du jetzt in Elternzeit gehst, wird dein Elterngeld auf Basis deiner 1.200 Euro Netto berechnet. Das wären dann vielleicht nur 780 Euro Elterngeld.
    • Szenario 2: Steuerklasse IV/IV mit Faktor (vor der Geburt gewechselt)

      • Dein Partner und du haben jeweils ein mittleres Netto (z.B. Partner 2.500 Euro, du 1.500 Euro).
      • Gesamtes Haushalts-Netto: ca. 4.000 Euro.
      • Wenn du jetzt in Elternzeit gehst, wird dein Elterngeld auf Basis deiner 1.500 Euro Netto berechnet. Das wären dann vielleicht 975 Euro Elterngeld.

    Siehst du den Unterschied? Fast 200 Euro mehr Elterngeld im Monat, nur weil ihr rechtzeitig die Steuerklasse gewechselt habt! Das sind über 2.000 Euro im Jahr! Diesen Wechsel muss man allerdings rechtzeitig vor Beginn der Elternzeit machen, am besten schon im Jahr davor.

    Kindergeld und Freibeträge: Mehr als nur ein Taschengeld

    Das Kindergeld ist eine feste monatliche Zahlung vom Staat, die dir zusteht, solange dein Kind unter 18 ist (oder länger, wenn es in Ausbildung ist). Aktuell sind das 250 Euro pro Kind (Stand 2024). Das ist eine wichtige Unterstützung, aber es ist eben auch "nur" ein fester Betrag, der die tatsächlichen Kosten für ein Kind oft nicht deckt.

    Zusätzlich gibt es Kinderfreibeträge, die bei der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden. Das Finanzamt prüft automatisch, ob Kindergeld oder Freibeträge für euch vorteilhafter sind. Du musst hier in der Regel nichts tun, außer deine Kinder bei der Steuererklärung anzugeben. Es ist gut zu wissen, dass es diese Unterstützung gibt, aber sie löst keine grundlegenden Finanzprobleme.

    Dein Weg raus aus der Falle: Praktische Schritte für mehr Finanzsicherheit

    Jetzt, wo wir die Fallen kennen, lass uns darüber sprechen, wie du sie umgehen kannst. Du musst kein Finanzprofi werden, um eure Finanzen in den Griff zu bekommen. Es geht um kleine, machbare Schritte.

    Schritt 1: Die Bestandsaufnahme – Wo geht mein Geld hin? (Budgeting)

    Das ist der wichtigste Schritt. Du musst wissen, wohin dein Geld fließt. Keine Sorge, du musst nicht jeden Kassenbon aufheben.

    So geht's:

    1. Sammle alle Einnahmen: Gehälter, Elterngeld, Kindergeld, etc.
    2. Liste alle festen Ausgaben auf: Miete, Strom, Versicherungen, Handy, Internet, Abos, Kreditraten, Kita-Gebühren.
    3. Schau dir die variablen Ausgaben an: Lebensmittel, Drogerie, Kleidung, Freizeit, Hobbys, Tanken. Hier kannst du am besten sparen.
    4. Nutze ein Haushaltsbuch oder eine App: Es gibt tolle kostenlose Apps wie "Finanzguru" oder "Outbank", die deine Kontobewegungen automatisch kategorisieren. Oder nimm einfach ein Notizbuch und einen Stift. Mach das für zwei bis drei Monate, dann hast du einen guten Überblick.

    Typischer Fehler: Nur die großen Posten betrachten. Tipp: Achte auf die "kleinen" Ausgaben, die sich summieren. Der tägliche Kaffee, der Lieferdienst am Abend – das sind oft die Geldfresser.

    Schritt 2: Der Notgroschen – Dein finanzieller Schutzschild

    Ein Notgroschen ist wie ein finanzieller Airbag. Er fängt dich auf, wenn unerwartete Ausgaben kommen (kaputte Waschmaschine, Autoreparatur, hohe Nebenkostenabrechnung). Ohne Notgroschen musst du im Notfall einen Kredit aufnehmen oder ins Minus rutschen, was teuer wird.

    Wie viel sollte es sein? Ideal sind drei bis sechs Monatsausgaben auf einem separaten Konto (Tagesgeldkonto). Fang klein an! Wenn du erst mal 1.000 Euro beiseitelegst, ist das schon ein super Start.

    So baust du ihn auf:

    • Richte einen Dauerauftrag ein, der jeden Monat einen festen Betrag (z.B. 50 Euro) direkt nach Gehaltseingang auf dein Notgroschen-Konto überweist. Du wirst es kaum merken!

    Schritt 3: Steuerklassen-Check – Hol das Maximum raus!

    Wenn du in Elternzeit gehst oder in Teilzeit arbeitest, ist das ein MUSS!

    Deine Checkliste:

    • Wenn du schwanger bist oder Elternzeit planst: Prüft sofort, ob ein Steuerklassenwechsel von III/V zu IV/IV (mit Faktor) für euch sinnvoll ist. Das muss vor Beginn des Kalenderjahres geschehen, in dem du das höhere Elterngeld erhalten möchtest. Sprich mit einem Steuerberater oder nutze Online-Rechner.
    • Wenn du schon in Teilzeit bist: Überprüft, ob eure aktuelle Steuerklassenkombination noch optimal ist. Manchmal ist IV/IV (mit Faktor) auch hier die bessere Wahl, um das monatliche Netto zu optimieren.

    Wichtig: Ein Steuerklassenwechsel wirkt sich nur auf das monatliche Netto aus, nicht auf die jährliche Steuerschuld. Aber für die Berechnung des Elterngeldes ist das monatliche Netto entscheidend!

    Schritt 4: Offene Kommunikation – Reden ist Gold

    Geld ist oft ein Tabuthema, selbst in den besten Beziehungen. Aber es ist so wichtig, dass du und dein Partner offen darüber sprecht.

    So geht's:

    • Regelmäßige "Finanz-Dates": Setzt euch einmal im Monat für 30 Minuten zusammen (vielleicht bei einem Glas Wein, wenn die Kinder schlafen) und schaut euch die Konten an. Wo steht ihr? Was sind die nächsten Ausgaben?
    • Keine Vorwürfe: Es geht nicht darum, Schuldige zu finden, sondern Lösungen.
    • Gemeinsame Ziele: Was wollt ihr erreichen? Ein neues Auto? Eine Reise? Ein Haus? Wenn ihr gemeinsame Ziele habt, fällt das Sparen leichter.

    Schritt 5: Finanzwissen aufbauen – Du musst kein Profi sein

    Du musst keine Wirtschafts-Nobelpreisträgerin werden. Aber ein grundlegendes Verständnis hilft dir enorm.

    Einfache Schritte:

    • Lies Finanzartikel (so wie diesen hier!).
    • Hör dir Podcasts an, die Finanzthemen einfach erklären.
    • Sprich mit Freundinnen, die sich schon damit beschäftigen.
    • Informiere dich über die Grundlagen von Altersvorsorge und Versicherungen.

    Keine Angst vor Zahlen: Deine Ängste sind valide!

    Ich weiß, das alles kann sich erstmal überwältigend anfühlen. Vielleicht denkst du:

    "Ich versteh nix von Geld" – Das ist okay!

    Viele von uns fühlen sich so. Finanzthemen werden oft kompliziert dargestellt. Aber du musst nicht alles auf einmal verstehen. Fang mit einem kleinen Schritt an, zum Beispiel mit dem Haushaltsbuch. Jeder kleine Schritt zählt!

    "Ich hab keine Zeit dafür" – Kleine Schritte zählen

    Wenn du nach der Arbeit noch drei Kinder versorgen, den Haushalt schmeißen und tausend andere Dinge erledigen musst, ist es klar, dass deine Zeit begrenzt ist. Aber auch 15 Minuten pro Woche können einen Unterschied machen. Schau dir einmal pro Woche kurz die Ausgaben an. Oder richte einen Dauerauftrag für deinen Notgroschen ein – das dauert einmalig fünf Minuten und läuft dann von selbst.

    "Das macht mein Partner" – Gemeinsam seid ihr stärker

    Es ist toll, wenn ihr die Aufgaben aufteilt. Aber bei den Finanzen ist es wichtig, dass beide Partner einen Überblick haben. Was, wenn deinem Partner etwas zustößt? Oder wenn ihr mal getrennte Wege geht? Du musst nicht die komplette Verantwortung übernehmen, aber du solltest wissen, wo ihr finanziell steht und wie die wichtigsten Dinge funktionieren. Setzt euch zusammen und teilt die Verantwortung.

    Deine Checkliste für mehr finanzielle Freiheit

    Hier sind die wichtigsten Schritte, die du sofort angehen kannst:

    • Bestandsaufnahme machen: Für 2-3 Monate alle Einnahmen und Ausgaben tracken (App oder Notizbuch).
    • Notgroschen starten: Dauerauftrag auf ein Tagesgeldkonto einrichten (z.B. 50 Euro/Monat).
    • Steuerklassen prüfen: Wenn Kinder geplant sind oder du in Teilzeit bist, sofort checken, ob IV/IV mit Faktor für euch besser ist.
    • Finanz-Date vereinbaren: Mit deinem Partner regelmäßig über Geld sprechen.
    • Eine Sache lernen: Nimm dir vor, jeden Monat eine neue Sache über Finanzen zu lernen (z.B. "Was ist ein ETF?").

    Wichtiger Hinweis: Die hier gegebenen Informationen dienen nur zur allgemeinen Orientierung und stellen keine Finanz- oder Steuerberatung dar. Finanzielle Situationen sind individuell. Bitte wende dich für eine persönliche Beratung an einen qualifizierten Finanzberater oder Steuerberater.

    Du bist stark, du bist klug, und du schaffst das! Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum, anzufangen und Schritt für Schritt mehr Kontrolle über eure Finanzen zu gewinnen. Und ich bin mir sicher, du wirst merken, wie viel entspannter es sich anfühlt, wenn du weißt, wo ihr steht.

    Alles Liebe, Eure Anja 💚

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    Anja Fischer
    Geschrieben von

    Anja Fischer

    Mama von drei Jungs (2019, 2021, 2023) und ganz nebenbei auch noch Gästehaus-Betreiberin und Content-Creatorin. Oder in kurz: Mama und Unternehmerin. Ich teile das, was für uns funktioniert - von Tipps & Tricks aus dem Mama-Alltag über Rezepte, Bastelideen, Orga- und Finanz-Tipps und vieles vieles mehr.

    Zuletzt aktualisiert: 4. Oktober 2024

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