Die Realität deutscher Mamas: Herausforderungen und Chancen
Ich weiß, dass der Alltag als Mama in Deutschland oft bedeutet: Teilzeit arbeiten, den Großteil der mentalen Last tragen, und oft weniger eigenes Einkommen haben. Das kann das Gefühl verstärken, dass Sparen unmöglich ist. Aber genau hier liegt die Chance, das Beste aus den vorhandenen Mitteln zu machen und smarte Entscheidungen zu treffen.
Deine finanziellen Bausteine: Kindergeld und Elterngeld clever nutzen
Deutschland bietet uns Mamas einige tolle Unterstützungen, die wir als Basis für den Vermögensaufbau nutzen können.
Das Kindergeld: Eine feste Größe
Das Kindergeld ist ein Geschenk des Staates an dich und dein Kind. Aktuell (Stand 2024) beträgt es 250 Euro pro Monat pro Kind. Das ist eine feste, planbare Einnahmequelle.
Tipp: Wenn es dein Budget zulässt, überlege, ob du einen Teil oder sogar das gesamte Kindergeld direkt für dein Kind anlegen kannst. Das sind im Jahr immerhin 3.000 Euro!
Das Elterngeld: Eine Starthilfe
Das Elterngeld ist dazu da, dir den Einkommensverlust nach der Geburt auszugleichen. Die Höhe hängt von deinem Einkommen vor der Geburt ab und liegt zwischen 65% und 100% deines Nettoeinkommens (mindestens 300 Euro, maximal 1.800 Euro pro Monat beim Basiselterngeld).
Wichtige Änderungen für 2024 und geplante für 2025:
- Ab 1. April 2024: Die Einkommensgrenze, ab der der Anspruch auf Elterngeld entfällt, wurde für Paare auf 200.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen gesenkt (für Alleinerziehende auf 150.000 Euro).
- Geplant für 2025: Die Einkommensgrenze für Paare soll voraussichtlich weiter auf 175.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen sinken.
Wie du das Elterngeld nutzen kannst:
Wenn du vor der Geburt gut verdient hast und das Elterngeld deinen aktuellen Bedarf übersteigt, könntest du einen Teil davon als Startkapital für dein Kind beiseitelegen. Auch hier gilt: Jeder Euro zählt!
Steuern und Freibeträge: Das kleine Einmaleins für clevere Eltern
Keine Sorge, das klingt komplizierter, als es ist. Wir brauchen nur zwei wichtige Dinge zu verstehen:
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Sparer-Pauschbetrag (Kapitalertragssteuer):
Wenn du Geld anlegst und damit Gewinne machst (z.B. Zinsen oder Dividenden), musst du darauf normalerweise Abgeltungssteuer (Kapitalertragssteuer) zahlen. Aber es gibt einen Freibetrag: 1.000 Euro pro Person und Jahr (Stand 2024). Das heißt, Gewinne bis zu dieser Höhe sind steuerfrei. Für dein Kind gilt dieser Freibetrag auch! Wenn dein Kind also ein eigenes Depot hat, kann es jedes Jahr 1.000 Euro an Gewinnen steuerfrei einstreichen. Das ist ein riesiger Vorteil, da Kinder in der Regel keine anderen Einkünfte haben.
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Schenkungssteuer-Freibetrag:
Das ist der absolute Knaller für den Vermögensaufbau deines Kindes! Du darfst deinem Kind alle zehn Jahre einen Betrag von bis zu 400.000 Euro schenken, ohne dass darauf Schenkungssteuer fällig wird. Und das gilt pro Elternteil! Das bedeutet, als Ehepaar könntet ihr eurem Kind alle zehn Jahre bis zu 800.000 Euro steuerfrei schenken. Das ist super wichtig, wenn das Vermögen deines Kindes mal richtig groß wird und du es später steuerfrei übertragen möchtest.
Realistische Sparziele und Anlagestrategien
Jetzt wird’s konkret! Wie viel kannst du realistisch aufbauen und wie legst du das Geld am besten an?
Die Wahl der richtigen Anlageform
Es gibt verschiedene Wege, Geld anzulegen. Für den langfristigen Vermögensaufbau deines Kindes empfehle ich dir, über den Tellerrand des Sparbuchs hinauszuschauen.
- Tagesgeldkonto: Ideal für kurzfristige Sparziele oder als Notgroschen. Hier ist das Geld flexibel verfügbar und du bekommst aktuell wieder etwas Zinsen. Für langfristigen Vermögensaufbau ist es aber wegen der Inflation und geringen Rendite nicht optimal.
- Festgeldkonto: Hier legst du Geld für einen festen Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Zinsen sind oft höher als beim Tagesgeld, aber das Geld ist nicht flexibel verfügbar. Auch hier gilt: Für sehr langfristige Ziele gibt es bessere Optionen.
- ETFs (Exchange Traded Funds): Das ist mein absoluter Favorit für den langfristigen Vermögensaufbau!
- Was ist das? Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds. Er bildet einen Index nach, z.B. den MSCI World (der die größten Unternehmen aus Industrieländern weltweit abbildet) oder einen All-World ETF (der zusätzlich auch Schwellenländer berücksichtigt).
- Warum sind ETFs so toll?
- Breite Streuung: Du investierst automatisch in Hunderte oder Tausende Unternehmen weltweit. Das minimiert das Risiko, da du nicht alles auf eine Karte setzt.
- Geringe Kosten: ETFs sind sehr günstig, da sie passiv verwaltet werden.
- Gute Renditechancen: Historisch gesehen haben breit gestreute Aktien-ETFs über lange Zeiträume (10+ Jahre) durchschnittlich 6-8% Rendite pro Jahr erzielt.
- Einfachheit: Du kannst ganz einfach einen Sparplan einrichten, der monatlich einen festen Betrag in den ETF investiert.
Depot auf den Namen des Kindes oder der Eltern?
Das ist eine wichtige Frage, und es gibt gute Argumente für beide Seiten.
Depot auf den Namen des Kindes (Kinderdepot):
Vorteile:
- Nutzt den Sparer-Pauschbetrag des Kindes: Dein Kind hat einen eigenen Freibetrag von 1.000 Euro pro Jahr für Kapitalerträge. Das ist ein riesiger Steuervorteil!
- Schenkungssteuer-Freibetrag: Wenn das Vermögen deines Kindes wächst, kannst du es später steuerfrei übertragen, indem du die Schenkungssteuer-Freibeträge nutzt.
- Das Geld gehört dem Kind: Ab dem 18. Geburtstag kann das Kind frei über das Geld verfügen. Das ist gut für die finanzielle Bildung und Eigenverantwortung.
- Keine Anrechnung auf BAföG: Das Vermögen im Kinderdepot wird in der Regel nicht auf das BAföG der Eltern angerechnet, sondern nur auf das des Kindes selbst (hier gibt es aber auch Freibeträge für das Kind).
Nachteile:
- Keine Kontrolle ab 18: Sobald dein Kind volljährig ist, hat es die volle Kontrolle über das Geld. Wenn du Sorge hast, dass es das Geld unvernünftig ausgeben könnte, ist das ein Punkt.
- Einschränkungen bei der Verwendung: Das Geld gehört rechtlich dem Kind. Du darfst es nicht einfach für dich selbst verwenden. Auch für Ausgaben, die eigentlich deine Pflicht als Elternteil sind (z.B. Kleidung, Essen), darfst du das Geld nicht nutzen.
Depot auf den Namen der Eltern:
Vorteile:
- Volle Kontrolle: Du entscheidest, wann und wofür das Geld ausgegeben wird.
- Flexibilität: Du kannst das Geld bei Bedarf auch für andere Familienausgaben nutzen.
Nachteile:
- Kein eigener Sparer-Pauschbetrag für das Kind: Die Kapitalerträge werden auf deinen eigenen Freibetrag angerechnet.
- Schenkungssteuer bei Übertragung: Wenn du das Geld später an dein Kind übertragen möchtest, musst du die Schenkungssteuer-Freibeträge beachten.
- Anrechnung auf BAföG: Das Vermögen wird auf dein eigenes Vermögen angerechnet, was die BAföG-Chancen deines Kindes mindern könnte.
Meine Empfehlung: Für den langfristigen Vermögensaufbau des Kindes ist ein Depot auf den Namen des Kindes oft die steuerlich und strategisch sinnvollere Wahl. Du eröffnest es als Elternteil, und bis zur Volljährigkeit verwaltest du es treuhänderisch für dein Kind.
Konkrete Beispiele: So viel Vermögen kannst du aufbauen
Lass uns mal ein paar Zahlen sprechen lassen. Wir gehen von einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 6% aus (was für breit gestreute Aktien-ETFs über lange Zeiträume realistisch ist).
Szenario 1: Der kleine Start (50 Euro pro Monat)
- Monatliche Sparrate: 50 Euro
- Laufzeit: 18 Jahre
- Gesamteinzahlung: 10.800 Euro
- Erwartetes Vermögen nach 18 Jahren: ca. 19.300 Euro
- Fast doppelt so viel wie eingezahlt!
Szenario 2: Der solide Plan (100 Euro pro Monat)
- Monatliche Sparrate: 100 Euro
- Laufzeit: 18 Jahre
- Gesamteinzahlung: 21.600 Euro
- Erwartetes Vermögen nach 18 Jahren: ca. 38.600 Euro
- Ein tolles Startkapital für Studium oder Führerschein!
Szenario 3: Der ambitionierte Weg (250 Euro pro Monat – z.B. das gesamte Kindergeld)
- Monatliche Sparrate: 250 Euro
- Laufzeit: 18 Jahre
- Gesamteinzahlung: 54.000 Euro
- Erwartetes Vermögen nach 18 Jahren: ca. 96.500 Euro
- Fast 100.000 Euro! Das ist eine echte Starthilfe für eine Anzahlung auf eine Immobilie oder eine Existenzgründung!
Siehst du, wie der Zinseszinseffekt arbeitet? Schon kleine Beträge können über die Jahre zu einem beeindruckenden Polster werden.